Dino-Lite AM451

Veröffentlicht am 11. Juli 2026 um 05:03 Uhr

Ein Zellbiologe möchte beobachten, wie sich ein bestimmtes Protein innerhalb einer lebenden Zellkultur über einen Zeitraum von 4 Stunden bewegt. Das Protein ist in der herkömmlichen Lichtmikroskopie nicht sichtbar – die Zellen wirken wie dieselben transparenten Klumpen, unabhängig davon, wo sich das Protein befindet. Die Lösung: Die Zellen wurden genetisch so modifiziert, dass das entsprechende Protein mit GFP (grün fluoreszierendes Protein) fusioniert ist. Werden die Zellen mit blauem Licht bei 480 nm bestrahlt, emittiert GFP grünes Licht bei 510 nm – und zwar ausschließlich an den genauen Positionen, an denen sich das Protein befindet. Indem das blaue Anregungslicht herausgefiltert wird, ist nur noch das grüne Emissionslicht zu sehen. Jetzt sieht der Zellbiologe exakt, wo sich das Protein aufhält, und kann es in Echtzeit verfolgen.

Das ist Fluoreszenzmikroskopie – eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Techniken des 20. Jahrhunderts. Traditionell erfordert sie Labormikroskope im Wert von 100 000+ kr. Das Dino-Lite AM4515T4-GFBW bietet dieselbe Funktionalität im Format eines USB-Mikroskops für 9 602 kr.

Was Fluoreszenz physikalisch bedeutet

Fluoreszenz ist das Phänomen, bei dem ein Molekül Licht EINER Wellenlänge absorbiert und Licht EINER ANDEREN, LÄNGEREN Wellenlänge EMITTIERT. Dies unterscheidet sich von gewöhnlicher Lichtreflexion (gleiche Wellenlänge wie beim Einfall) oder Absorption (Energie wird in Wärme umgewandelt).

Die Physik hinter der Fluoreszenz wird durch die Quantenmechanik beschrieben:

  1. Absorption: Ein Molekül absorbiert ein Photon (Lichtquant). Die Energie des Photons (E = hν, wobei ν die Frequenz ist) hebt eines der Elektronen des Moleküls in einen höheren Energiezustand.
  2. Thermische Relaxation: Das Elektron verweilt für wenige Pikosekunden (10⁻¹² s) in einem kurzlebigen „angeregten“ Zustand. In dieser Zeit gibt es ~10–20 % seiner Energie als Wärme (Schwingungen im Molekül) ab.
  3. Emission: Das Elektron fällt zurück in den Grundzustand und sendet ein neues Photon aus. Dieses Photon besitzt eine GERINGERE Energie (und somit eine LÄNGERE Wellenlänge) als das ursprünglich absorbierte Photon.

Die Differenz zwischen Absorptions- und Emissionswellenlänge wird als STOKES-VERSCHIEBUNG bezeichnet (nach Sir George Stokes, der das Phänomen 1852 beschrieb). Das Ausmaß der Stokes-Verschiebung hängt vom jeweiligen Molekül ab. Bei GFP beträgt sie ~30 nm – Absorption bei ~485 nm, Emission bei ~510 nm.

Die zentrale Herausforderung: Trennung von Anregungs- und Emissionslicht

Hier kommt der Filter ins Spiel. Wenn das Fluoreszenzmikroskop eine Probe beleuchtet, gilt:

  • Das Anregungslicht (480 nm blau): sehr intensiv.
  • Das Fluoreszenzemissionslicht (510 nm grün): sehr schwach. Nur 5–30 % der absorbierten Photonen werden als Fluoreszenz emittiert; der Rest geht als Wärme verloren.

Würde man ohne Filter beobachten, sähe man lediglich das starke blaue Anregungslicht, das von der Probe zurückgestreut wird, und das schwache grüne Fluoreszenzsignal würde vollständig überstrahlt. Es ist zwingend erforderlich, das blaue Licht zu BLOCKIEREN und das grüne Licht passieren zu lassen.

Gelöst wird dies durch einen EMISSIONSFILTER (auch „Sperrfilter“ genannt). Ein Langpassfilter bei 510 nm blockiert jegliches Licht UNTER 510 nm und lässt alles darüber durch. Die Folge: Das blaue 480-nm-Anregungslicht wird vollständig abgeblockt. Das grüne Emissionslicht ab 510 nm gelangt ungehindert zum Sensor.

Genau das bietet das AM4515T4-GFBW: 480 nm Anregungslicht kombiniert mit einem LP510-Emissionsfilter.

Fluorophore: die fluoreszierenden Moleküle

Fluorophore sind Moleküle, die eine effiziente Fluoreszenz aufweisen. Die Filterkombination von 480/510 nm des AM4515T4-GFBW ist für die gängigsten GRÜNEN Fluorophore optimiert:

  • GFP (Green Fluorescent Protein): Kommt natürlich in der Qualle Aequorea victoria vor. Absorbiert bei ~485 nm, emittiert bei ~510 nm. Entdeckt 1962 von Osamu Shimomura; Nobelpreis 2008.
  • FITC (Fluoresceinisothiocyanat): Synthetischer Fluoreszenzfarbstoff. Absorbiert bei ~495 nm, emittiert bei ~525 nm. Häufig in der Immunfluoreszenzmikroskopie eingesetzt.
  • Alexa Fluor 488: Kommerzielle Variante mit identischen Absorptions-/Emissionswerten wie FITC, jedoch fotostabiler.
  • DiO: Lipophiler Zellmembranmarker.
  • Zellfärbungen mit ThinPrep- und Papanicolaou-Präparaten: Bestimmte zelluläre Färbetechniken.

Andere Fluorophore (rot, ultraviolett, fernrot) erfordern andere Anregungs- und Emissionsfilter. Dino-Lite bietet dafür separate Modelle an: GB-Modell (blau/grün, dieses Modell), RG (rot/grün), UV-Modell.

Dino-Lite EDGE AM4515T4-GFBW fluorescens-mikroskop 480/510 nm

Weißlicht + Fluoreszenz: das praktische Hybrid-Design

Das AM4515T4-GFBW verfügt nicht nur über 480-nm-LEDs – es ist zusätzlich mit einer weißen LED ausgestattet. Der Anwender kann flexibel zwischen beiden Lichtquellen umschalten:

  • Weißlicht-Modus: Konventionelle Lichtmikroskopie. Die Probe erscheint wie gewohnt. Dient dazu, interessante Probenbereiche zu LOKALISIEREN und präzise darauf zu FOKUSSIEREN.
  • 480-nm-Fluoreszenz-Modus: Das LED-Array wird aktiviert. Blaues Anregungslicht beleuchtet die Probe. Der Filter blockiert das blaue Licht. Der Sensor erfasst ausschließlich die grüne Fluoreszenz, die von den Fluorophoren in der Probe emittiert wird.

Diese Umschaltmöglichkeit ist in der Praxis unverzichtbar. Ohne den Weißlicht-Modus könnte der Anwender AUSSCHLIESSLICH die Fluoreszenz sehen – weist die Probe im aktuellen Sehfeld keine Fluoreszenz auf, bliebe der Bildschirm komplett schwarz, was ein Fokussieren nahezu unmöglich machen würde.

Erweiterte Spezifikationen

  • Anregungswellenlänge: 480 nm (blau).
  • Emissionsfilter: 510 nm Langpass (LP510).
  • Anzahl der Anregungs-LEDs: 7 Stück (ringförmig um das Objektiv angeordnet).
  • Anzahl der Weißlicht-LEDs: 1 Stück.
  • Optische Vergrößerung: 400–470-fach kontinuierlich.
  • Kamera: 1,3-Megapixel-CMOS.
  • Arbeitsabstand: 5,1–11,8 mm je nach Vergrößerung.
  • Sichtfeld: 0,97 × 0,71 mm bei 400x bis 0,83 × 0,61 mm bei 470x.
  • Automatische Vergrößerungsauslesung (AMR): Ja – das Gerät erfasst automatisch die gewählte Vergrößerung.
  • Konnektivität: USB direkt an den PC.

Anwendungsbereiche in der biologischen Forschung

GFP-Expressionsanalysen in Zellkulturen: Klassische molekularbiologische Anwendung. Zellen werden mit einem Gen transfiziert, das GFP an ein Zielprotein koppelt. Die Fluoreszenz visualisiert, wo das Protein exprimiert wird.

Immunfluoreszenzmikroskopie: Spezifische Antigene in Gewebeschnitten werden mit FITC-konjugierten Antikörpern markiert. Die Fluoreszenz zeigt das Vorhandensein des Antigens. Etablierte Methode in der histologischen Diagnostik von Krebs und Autoimmunerkrankungen.

Entwicklungsbiologie: Untersuchungen der Embryogenese bei Zebrafischen, Drosophila etc. GFP-markierte Zellen lassen sich während des gesamten Entwicklungsprozesses in Echtzeit verfolgen.

Kalzium-Imaging: Fura-2 und andere Ca-sensitive Fluorophore zeigen den Kalziumeinstrom in Zellen während Signalübertragungsprozessen an.

Zellmembranmarker: DiO und vergleichbare lipophile Farbstoffe machen Membranstrukturen von Zellen sichtbar.

Pathologie und klinische Diagnostik: Diagnostik auf zellulärer Ebene an Patientenproben. Schnelldiagnostik bestimmter Infektionen (z. B. Schimmelpilze, Parasiten).

Anwendungen außerhalb der Biologie

Forensische Untersuchungen: Rückstände von Körperflüssigkeiten (Blut, Speichel) und biologische Spuren weisen oft eine Eigenfluoreszenz auf. Fluoreszenzmikroskopie wird daher in der Tatortanalyse genutzt.

Lebensmittelkontrolle: Aflatoxine (Schimmelpilzgifte in Getreide) fluoreszieren von Natur aus. Wichtig für die Qualitätskontrolle beim Getreideeinkauf.

Dokumentenprüfung und Restaurierung: Bestimmte Tinten und Farben fluoreszieren unter blauem Licht. Hilfreich bei der Echtheitsprüfung historischer Dokumente.

Materialforschung: Fluoreszierende Smart-Materials, Halbleiter-Nanopartikel (Quantum Dots), Photolumineszenz-Detektoren.

Qualitätskontrolle in der Leuchtstoff- und LED-Fertigung: Fluoreszierende Beschichtungen in Leuchtmitteln können qualitativ überprüft werden.

Kunstechtheitsprüfung: Renaissance-Gemälde mit bestimmten Pigmenten fluoreszieren unter Blaulicht – so lassen sich Fälschungen entlarven.

Einschränkungen

  • Nur eine Fluoreszenz-Wellenlängenkombination: 480/510 nm ist auf GFP und FITC ausgelegt. Für rote oder UV-Fluorophore wird ein anderes Modell benötigt.
  • Keine Doppelparameter-Mikroskopie: GFP und rote Fluorophore können nicht simultan dargestellt werden. Dual-Wellenlängen-Mikroskopie erfordert kostenintensivere Labormikroskope.
  • Sensorempfindlichkeit limitiert die Nachweisgrenze: Der 1,3-MP-CMOS-Sensor liefert sehr gute Ergebnisse, erreicht aber nicht die Empfindlichkeit von EMCCD-Sensoren stationärer Labormikroskope. Bei extrem schwachen Signalen stößt er an Grenzen.
  • Keine konfokale Funktion: Konfokale Mikroskopie (Tiefenschärfen- bzw. Schnittebenenselektion) erfordert laserbasierte Anregung und Scaneinheiten. In dieser Preisklasse ist dies nicht realisierbar.
  • Photobleichen (Photobleaching): Fluorophore verlieren bei längerer Bestrahlung schrittweise ihre Leuchtkraft. Bei intensiver 480-nm-LED-Beleuchtung tritt dies relativ rasch ein. Für Langzeitmessungen über viele Stunden ist spezialisierteres Equipment erforderlich.

Lieferumfang & Mehrwert

Dino-Lite EDGE AM4515T4-GFBW USB-Fluoreszenzmikroskop, 480-nm-Anregungslicht über 7-LED-Array, LP510-Emissionsfilter (blockiert alles unter 510 nm), zusätzliche weiße LED für den konventionellen Lichtmikroskopie-Modus, 1,3-MP-CMOS-Sensor, 400–470-fache kontinuierliche optische Vergrößerung, automatische Vergrößerungsauslesung (AMR), 5,1–11,8 mm Arbeitsabstand, USB-Anschluss, inklusive DinoCapture-Software. Optimiert für GFP, FITC und andere grün fluoreszierende Fluorophore. 9 602 kr.

Für Bildungseinrichtungen, technische Hochschulen, Forschungslabore mit begrenztem Budget und praxisorientierte pathologische Anwendungen stellt dieses Mikroskop einen bemerkenswert wirtschaftlichen Einstieg in die Fluoreszenzmikroskopie dar. Klassische Systeme erfordern Investitionen von über 100 000 kr; das AM4515T4-GFBW macht diese Technologie zu einem Zehntel der Kosten zugänglich. Trotz systembedingter Grenzen ist es für die allermeisten Ausbildungs-, Screening- und Routineanwendungen hervorragend geeignet.

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